Da unser Flug nach Hause erst heute Abend geht, hatten wir nochmals einen Tag in Kapstadt. Obwohl für meinen Geschmack wäre es voll ok, zu gehen. Ich hab mittlerweile ziemliches Heimweh.

Wir räumten unser Zimmer (tolle Unterkunft: Harpers House) und Papa packte alles in die Koffer und Taschen. Nach einem feinen Frühstück wurden wir abgeholt. Der Fahrer hiess Godfried und war sehr nett. Das heisst bei uns Gottfried, wie er erklärte. Er holte nebst uns noch zwei andere Personen (eine Abenteuerfrau aus Deutschland und eine Holländerin) ab und dann ging es in dieser überschaubaren Gruppe in Richtung Langa. Einem Township bei Kapstadt.

Godfried fragte uns, ob wir nervös seien. Er sei ziemlich gestresst, denn die Stadt schafft ihn. Er kommt selbst aus einem Township und sagte, dass er sich dort tausend mal wohler fühle. Ich verstand nicht sofort warum, doch er erklärte es. In dem Ort, wo er wohnt, kennt man sich. So wie bei uns in Fehren. Die Stadt ist allerdings anonym und alle seien fremd. Man wisse nicht, wem man trauen kann. Er sagte uns auch, dass es normal sei, dass wir uns etwas komisch fühlten, denn schliesslich besuchen wir nicht jeden Tag ein Township. Er redete viel und in Englisch, sodass ich nicht alles verstand aber meine Eltern übersetzten mir die wichtigsten Sachen.

Im Gegensatz zu Soweto (Township in Johannesburg) konnten wir mit der heutigen Tour auch begleitet in den Strassen umherlaufen und Menschen in ihrem Zuhause besuchen. Godfried, der selber zwei Kinder hat, übergab uns an unseren Guide, der uns durch das Viertel führte. Leider weiss ich den Namen nicht mehr, da er ziemlich schwer auszusprechen war. Aber er war jedenfalls sehr nett. Als erstes gingen wir in einen Kindergarten. Da war es voll laut. Bei uns ist das eher eine Kita oder Tagi. Denn die Kinder im Alter von 1 bis 6 sind hier und werden den ganzen Tag betreut. Wir durften auch zu den Kindern hingehen und Fotos machen. Für mich war es schwer, da mich die ganzen aufgedrehten Kinder (sie lieben Besuch von Touris), die lautstark Lieder sangen und gemeinsam spielten, sehr an meine Freunde zu Hause erinnerten. Ich hatte darum ganz ganz fest Heimweh.

In dem Township Langa, dass es seit genau 100 Jahren gibt, wohnen die Menschen in verschiedenen Häusern. Es gibt ganz einfache mit Mauern, in denen auf engstem Raum drei Familien zusammen wohnen. Eine Familie hat in der Regel Eltern und vier Kinder (6 Personen). Die Eltern dürfen im Bett schlafen und die Kinder müssen auf dem Boden übernachten, da nicht mehr Platz vorhanden ist. Das Klo ist nicht im Haus und es gibt kein fliessend Wasser. Andere Häuser, für die man sich als Anwohner anmelden kann, haben nicht mehr Platz aber es wohnt dann nur eine Familie dort und es hat Wasser. Strom haben alle, da das Township am Netz ist. Um 22.00 Uhr abends ist dann Lichterlöschen für alle. Es gibt aber auch Wellblechhütten, da hat es praktisch nichts, ausser dem Stromanschluss. Papa hat gefragt, wie es mit der Kälte im Winter sei und wie sie heizen. Unser Guide hat dann gesagt, dass in den meisten Häusern nicht die Kälte das Problem ist (kein Wunder bei 13 Personen im Haus), sondern die Hitze. Ausser in den Wellblechhütten, die meist die erste Unterkunft in Langa sind. Wenn es draussen heiss ist, ist es drinnen heisser. Wenn es draussen kalt ist, ist es drinnen noch kälter. Das führt regelmässig im Winter dazu, dass die Hütten in Brand geraten, da die Bewohner ein Feuer machen, um wärmer zu haben. Es kommt jedes Jahr zu Bränden. Die Feuerwehr ist 10 Minuten entfernt und der Schaden daher meist sehr gross.

An einem Stand verkauften ein Mann und eine Frau selbstgemachte Dinge. Da durfte ich mir ein Armband aussuchen. Meine Eltern haben nämlich vor vielen Jahren eine Favela in Rio de Janeiro besucht und bereut, dass sie nichts Lokales eingekauft haben. Ihnen ist es wichtig, dass dortige Gewerbe zu unterstützen. Fast hätte Mama es im Mietwagen liegen gelassen. Sie ist den ganzen Parkplatz zurückgerannt und konnte es noch aus dem Auto fischen. Phuu!
Ich fand es auch spannend und irgendwie komisch, dass wir in die Häuser hineingehen konnten. Aber ich sagte immer Hallo und Bye Bye, was ganz gut ankam. 😇

Unser Guide hat uns auch den Teil «Beverly Hills» von Langa gezeigt. Das sind reiche Leute, die genug Geld haben, um ein grosses Haus zu bauen. Er erklärte, dass wenn es den Kindern besser geht (sie einen Schulabschluss und/oder eine Anstellung haben und mehr Geld verdienen), sie meist in dem Township bleiben wollen. Es ist schliesslich der Ort an dem sie aufgewachsen sind. Also kommen sie zurück und renovieren das Haus der Eltern. Family frist!

Er hat auch erzählt, dass sein Vater ihm als Kind erklärt hat, dass er nicht nur einen Vater oder eine Mutter hätte. Alle im Viertel seien seine Väter und Mütter und Geschwister und das man auf einander achtet. Als Kind fand er das doof, weil man keinen Blödsinn machen kann, da ihn immer jemand sehen würde. Jetzt als Erwachsener schätzt er das soziale Umfeld und den Zusammenhalt umso mehr. Es ist sein Zuhause. Ich freue mich auch auf mein Zuhause und schätze umso mehr, was ich habe. Denn das haben nicht alle. Jetzt sind wir am Flughafen und es ist Zeit für ein Fazit. Geniesst unsere letzten Bilder von der Reise und besonders auch unsere Top of the Tops Liste von sieben Wochen Reisen:

  • Bester Strand: Malediven & Pinguinstrand (Bouldersbeach)
  • Bestes Frühstück: hausgemachtes Frühstück in Kandy (Araawe Resort)
  • Bester Ausflug: Safari in Nkomazi (mega) und Wale Watching
  • Bequemstes Bett: Pensula Hotel (Hoti Poti 🤪) in Knysna
  • Tollste Bedienung: zwei Männer jeweils aus Sri Lanka (im Hotel in Amya Dambulla und auf den Malediven im Heritance)
  • Bester Kaffee: im Father in Joburg
  • Bestes Dinner: The Test Kitchen (megamega) in Kapstadt
  • Bester Fahrer: Suchi in Sri Lanka (und Papa in Südafrika)
  • Bester Ort zum Bleiben? Egal, hauptsache zu Dritt! ❤️
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